Ute Behrend

Preisträger

Preisträger

2022

Hannah Altman

1. Preis
Hannah Altman
(US)
»A Permanent Home in the Mouth of the Sun«

Begründung der Jury: Hannah Altman führt uns in eine Welt ein, die wir so kaum noch in Deutschland kennen und die uns daher heute zumeist diasporisch als “Gegenüber” begegnet. In einer selten so sinnlich und erfahrbar gezeigten Weise bringt uns die Künstlerin in inszenierten Porträts, Sinnbildern, Momenten und Ritualen eine jiddische Folklore nahe, die uralte und doch immer wiederkehrende Erfahrungen verarbeitet und zum Ausdruck bringt. Sie zeugen von Schmerz und Heilung, von Exil und Suche nach Heimat, von Verwandtschaft und Selbstfindung. Man spürt in den Bildern das Bedürfnis Altmans, etwas festzuhalten und es uns gleichzeitig auch mitzuteilen. In der Welt der Diaspora sind Wissen, Worte, Überlieferungen, traditionelle Handfertigkeiten und Kenntnisse unveräusserliche, stets relevante, praktische und nützlichste Besitzstände, die jede/r jederzeit bei sich trägt. Sie sind wie Samen in der Tasche, die Neuanfang, Nahrung und Halt versprechen. Und auch diese Aufnahmen Altmans sind eine solche Saat. Latent und doch greifbar zeigen sie auf eine fruchtbare Zukunft, die dabei von einer langen Geschichte zu erzählen wissen. Altmans Bilder überzeugen, weil sie den fotografischen Augenblick in einen erweiterten Zeitbegriff von gestern, heute und morgen zu übersetzen wissen, dabei aber nicht zeitlos werden, sondern eher eine dauerhafte Präsenz—a lasting presence—vermitteln können. (Daniel Blochwitz)

2. Preis
Alexander Komenda (CA/PL)
»Jove’s Palace«

Begründung der Jury: Alexander Komenda, der kanadische Fotograf mit osteuropäischen Wurzeln, nimmt uns in seiner Serie »Jove’s Palace« auf die Reise nach Mailuusuu in Kirgistan. Die Stadt zählte in den Zeiten vor 1990 zu den Hauptzentren des Uranerzeisenabbaus und seiner Verarbeitung in der Sowjetunion. Nach dem Fall der Sowjetunion und dem Erlangen der Unabhängigkeit durch Kirgistan wurden die Uran-Betriebe geschlossen. Was blieb, war nicht nur die Arbeits- und Aussichtslosigkeit unter der Stadtbevölkerung, sondern auch eine starke Kontamination des Bodens und des Grundwassers. Der Autor bedient sich in der Fotostrecke einer Mischung von Momentaufnahmen, die seinen journalistischen Blick unter Beweis stellen und von unaufdringlich inszenierten Einstellungen. Mit ihnen setzt er gekonnt an den richtigen Stellen Akzente, die den dynamischen Stil der Erzählung unterstreichen und die Höhepunkte markieren. Die Bildsprache bleibt zugleich subtil und indirekt. Die Kinder, die auf mehreren Motiven der Serie zu sehen sind, können von dem Betrachter symbolisch sowohl als die Wehrlosigkeit der Einwohner gegenüber den Folgen der Vergangenheit als auch ihre Zukunftssorgen interpretiert werden. (Tomasz Lewandowski)

3. Preis
Daniel Seiffert (DE)
»TRABANTEN«

Begründung der Jury: Daniel Seifferts »Trabanten« ist eine Arbeit, die das Versprechen einer anderen Zeit in ernüchternder Weise offenlegt. Dem diesjährigen Festivalthema »Counterparts« folgend, nähert sich Seiffert einer Wohnstadt, die er nur gefühlt, aber nicht aus der direkten Nähe kannte. Seine Bilder zeigen uns ein Gegenüber, das als Synonym für gescheitert steht. Aber nicht zuletzt bezieht es sich auch auf ein gescheitertes politisches System, das oft auf gleichmacherische Plattenbauten reduziert wird. Das in jeder einzelnen genormten Wohnung ein individueller Lebensentwurf steckt, bleibt meist unerwähnt. Seiffert versucht aber genau auch das in seinen Bildern mit einzufangen.
Dass Seiffert aus dem Ostteil der Stadt kommt und Gropiusstadt im Westteil Berlins liegt, gibt der Arbeit eine zusätzliche politische Dimension. Das uns — scheinbar auch nach über 30 Jahren — noch Trennende wird hier ad absurdum geführt, weil es zeigt, wie sehr Geschichte gerade in Deutschland nicht in Himmelsrichtungen zertrennbar ist. Es gab und gibt hier wie dort kein “richtiges Leben im falschen”. Es fanden und finden sich auf allen Seiten Ideen, die gut gemeint sein können und trotzdem an den Verhältnissen scheitern. (Daniel Blochwitz)

Svante Gullichsen

Residenzpreis
Svante Gullichsen (FI)
»Hanging On«

2021

1. Preis
Rafael Heygster & Helene Manhartsberger
(DE)
»Corona Rhapsody«

2. Preis
Tim Franco (KR)
»Unperson I Portraits of North Korean Defectors«

3. Preis
Manuel Frolik (DE)
»Polaroids and Daguerreotypes«

Residenzpreis
Natalia Kepesz (PL)
»Niewybuch«

2020

 

1. Preis
Rosa Mariniello
(IT)
»VITILIGO«

2. Preis
Ingar Krauss (GER)
»Wanderarbeiter«

3. Preis (doppelt vergeben)
Milan Gies (NL)
»State of Identity«

3. Preis (doppelt vergeben)
Raul Ariano (CN)
»LGBT in China«

Residenzpreis
Agata Wieczorek (PL)
»Fetish of the Image«

2019

1. Preis
Snezhana von Büdingen
 (GER)
»Permer Frost«

2. Preis
Kurt Hörbst
 (GER)
»People Scans«

3. Preis
Sara Swaty
 (USA)
»Harrison: In Transition«

Residenzpreis
Mary Gelman
 (RUS)
»Svetlana«

2018

1. Preis
Matthew Hamon
(USA)
»The Gleaners«

2. Preis
César Dezfuli
(ES)
»Passengers«

3. Preis
Paul Damen
(NL)
»Japan Up Close«

Residenzpreis
Robin Yong
(AUS)
»Flowers of Ethiopia«

2017

1. Preis
Sadegh Souri
(IRN)
»Waiting Girls«

2. Preis
Stefan Krauth
(GER)
»in Amerika«

3. Preis (doppelt vergeben)
Sonja Hamad (GER)
»Jin – Jiyan – Azadi: Women, Life, Freedom«

3. Preis (doppelt vergeben)
Jens Juul
(DNK)
»Six degrees of Copenhagen«

2016

1. Preis
Elena Anosova
(RUS)
»Section«

2. Preis
Thomas Bachler
(GER)
»photoshooting«

3. Preis
Anja Bohnhof
(GER)
»Bahak – Die Last der Dinge«

Residenzpreis
Stefanie Minzenmay
(GER)
»Protected Privacy – Protect Yourself«