Fotografie in Dresden

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Die Stadt Dresden nimmt schon sehr früh in der Geschichte der Fotografie eine besondere Rolle ein. Nicht nur hatte sich die Stadt bereits vor einhundert Jahren zu einem bedeutenden Ort der deutschen und internationalen Photoindustrie entwickelt. Andererseits wirkten hier Photopioniere wie Hermann Krone (*1827 in Breslau; †1916 in Laubegast), der Gründer des "Historischen Lehrmuseums für Photographie", aber auch Foto-Künstler wie Hugo Erfurth (1874-1948); auch Gerhard Richter müsste hier (als Fotograf!) unbedingt genannt werden.

Hermann Krone „Porträt Studie“

Die Stadt Dresden nimmt schon sehr früh in der Geschichte der Fotografie eine besondere Rolle ein. Nicht nur hatte sich die Stadt bereits vor einhundert Jahren zu einem bedeutenden Ort der deutschen und internationalen Photoindustrie entwickelt. Andererseits wirkten hier Photopioniere wie Hermann Krone (*1827 in Breslau; †1916 in Laubegast), der Gründer des „Historischen Lehrmuseums für Photographie“, aber auch Foto-Künstler wie Hugo Erfurth (1874-1948); auch Gerhard Richter müsste hier (als Fotograf!) unbedingt genannt werden.


Hugo Erfurth "Bildnisgruppe in Landschaft"

Hugo Erfurth „Bildnisgruppe in Landschaft“

Die Nennung Hugo Erfurths ist es, die sofort auch nach Hellerau weist: bekannt wurde der Künstlerfotograf weniger durch seine Portraits von Otto Dix, Käthe Kollwitz oder Oskar Kokoschka, sondern vor allem durch seine Abbildungen des modernen Tanzes: Choreographien von Grete Wiesenthal, Clotilde von Derp, Mary Wigman nahm Erfurth in der Bewegung auf. Von Hugo Erfurth aus zieht sich dieser zweite inhaltliche Faden über die Akt- und Tanzaufnahmen seiner Schülerin Nelly (1899-1998, ab 1920 in Dresden) und die Tanz- und Portraitaufnahmen der mit Gret Palucca eng befreundeten Charlotte Rudolph (*1896 in Dresden; †1983), bis in die Gegenwart.

So ist es eigentlich kein Wunder, dass die 1. Portrait-Photoschau der DDR 1971 in Dresden stattfand. 1982 folgte eine Ausstellung des Kupferstich-Kabinetts, die einen umfassenden Querschnitt durch die Fotografiegeschichte bot. Der letzte große fotografiegeschichtliche Aufmerksamkeitspunkt wurde in Dresden 2006 mit der Ausstellung »Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen« gesetzt. Gezeigt wurden Fotos von 1850 bis in die Gegenwart aus über 30 Museen, Archiven, Galerien und Ateliers der Stadt. Menschendarstellungen, „vom Daguerreotypie-Portrait bis zum digital erzeugten tagesaktuell übermittelten und projizierten Reportagebild, von der medizinischen Dokumentation bis zum künstlerischen Experiment, vom Schnappschuss bis zur gedruckten Photomontage“ (Katalog).

Das Dresdner Kupferstich-Kabinett ist überhaupt als wichtiges Zentrum aller sammlerischen Tätigkeit im Bereich der Fotographie zu nennen. Es war der Geheimrat Max Lehrs, Direktor des Kupferstichkabinetts, der 1899 Fotografien „im Kontext einer bedeutenden grafischen Sammlung – über den Rahmen der bis dahin üblichen Zuordnung zum Kunstgewerbe hinaus“ erwarb (zitiert aus dem Einführungstext von Wolfgang Hesse im Katalog zu »Mensch!« Photographien aus Dresdner Sammlungen. Eine Ausstellung des Kupferstich-Kabinetts Dresden, 2006).

In Hesses Text findet sich auch der Aufhängungspunkt für den Gedanken, diese frühen Glutpunkte der Fotografiegeschichte in Hellerau mit dem geplanten Wettbewerb wieder aufleuchten zu lassen. Gab doch den Anstoß für die Beschäftigung mit der Fotografie Anfang des 20. Jahrhunderts „Lehrs‘ (…) didaktisches Anliegen der künstlerischen »Volkserziehung« im Sinne des Reformgeistes: Die Vermittlung von Qualitätsbewusstsein und Authentizität entgegen industriellem Mechanismus.“ Wiederum werden wir so auf Hellerau verwiesen, und es ist nur folgerichtig, wenn das Kupferstich-Kabinett später von Gret Palucca die Kandinsky-Zeichnungen zu ihren Tänzen und die fotografischen Vorlagen dazu von Charlotte Rudolph erwarb.

Aufnahmedatum: 1970<BR>Aufnahmeort: Berlin (Ost)<BR>Inventar-Nr.: Hd 3053-25<BR>Systematik: <BR>Kulturgeschichte / Fotografen / Heyden / Werke
Bernd Heyden, „Kind am Sessel“

Neben dem Kupferstich-Kabinett muss – neben der Hermann-Krone-Sammlung der Technischen Universität – mindestens noch eine zweite große Dresdner Institution genannt werden, wenn es um das Vergegenwärtigen der städtischen Fotografie-Geschichte geht: die Deutsche Fotothek geht auf die Bestände der 1924 gegründeten Sächsischen Landesbildstelle zurück. In diesem kulturhistorischen Archiv geht es „im Gegensatz zur Photographie als Kunstwerk in Gestalt einzelner Abzüge (…) vorrangig um den Informationswert“ (Katalog zu »Mensch!«, S. 104). Aber auch hier lassen sich mannigfaltige Bezüge zur Architektur und zu Lebensentwürfen in Hellerau, zur Lebensreformbewegung, zu Tanz, Rhythmus und Bewegung im Blickwinkel verschiedener Zeiten und Fotografen auftun.

Mit dem PORTRAITS – HELLERAU PHOTOGRAPHY AWARD wollen wir Fotografen aus aller Welt einladen, zeitgenössische „Bilder vom Menschen“ zu zeichnen. Neben den zahlreichen Ausstellungen, Stipendien und fotografischen Arbeitsprojekten in Dresden wollen wir vor dem Hintergrund der aufgezeichneten fotografiegeschichtlichen Stationen einen neuen, internationalen Schwerpunkt der zeitgenössischen Porträtfotografie schaffen. Das Festspielhaus Hellerau lädt Sie herzlich ein, sich im Februar 2018 ein eigenes Bild davon zu machen.